Beratungstool Für Eine Betriebsspezifische Risikoanalyse Zu Potentiellen Pflanzenschutzmitteleinträgen In Oberflächengewässer
Bei der Betriebsberatung wird der Ist-Zustand potentieller PSM-Eintragspfade in die Gewässer evaluiert. Mögliche Eintragswege sind Punktquellen auf dem Betrieb (PSM-Lagerung, Befüll- und Waschplätze mit Hofplatzentwässerung, Umgang mit Restmengen, etc.) sowie diffuser Quellen während und nach der Applikation im Feld (Applikationstechnik, PSM-Abdrift, Abschwemmung/Erosion, Drainage).

Ausgehend vom Ist-Zustand werden pro Betrieb Optimierungspotentiale und mögliche Verbesserungsmassnahmen erarbeitet.
Der Ablauf der Betriebsberatung sieht drei aufeinanderfolgende Phasen vor: die Vorevaluationsphase, die Begehungsphase und die Bewertungsphase. Alle drei Phasen sind grundlegend in die zwei Teilbereiche «Betriebsbegehung» mit vorwiegendem Fokus auf Punktquellen sowie «Feldbegehung» mit vorwiegendem Fokus auf diffuse Quellen unterteilt.
Nach Abschluss der Betriebsberatung erfolgt das Wirkungsmonitoring. Dabei soll geprüft werden, welche Massnahmenvorschläge umgesetzt werden konnten und wo der Betriebsleiter möglicherweise mehr Unterstützung benötigt.
- Vorevaluationsphase
- Begehungsphase
- Bewertungsphase (Abschlussbericht)
- Massnahmenbegleitung
Die vier Phasen werden nachfolgend im Detail erläutert.
Die Vorevaluationsphase beinhaltet die Zusammenstellung und Auswertung von verfügbaren Informationen bezüglich der PSM-Anwendung sowie potentieller PSM-Eintragspfade in die Gewässer eines Betriebes und der ihm zugehörigen Parzellen. Hierzu werden vom Berater in einem ersten Schritt vom Betriebsleiter respektive mit seiner Zustimmung von den zuständigen Behörden folgende Daten angefragt:
- Allgemeine Betriebsdaten (Betriebsgrösse, landwirtschaftliche Nutzfläche, Parzellenplan mit Übersicht der Ökofläche, Angaben zu den angebauten Kulturen, etc.)
- Digitale Geoinformationen/-daten aus dem Geoportal des Bundes (geo.admin.ch)
- Liegenschaftsentwässerungspläne
- Katasterkarte/Schlagkartei mit den eingetragenen Parzellen des jeweiligen Betriebes und Angaben zu den Kulturen und den Bodenbearbeitungsmassnahmen
- Ergebnisse der Bodenanalysen im Rahmen des ÖLN
- Drainagepläne
Im Anschluss werden die eingeholten Daten evaluiert und die gewonnenen Erkenntnisse mit dem Betriebsleiter in einem persönlichen Interview vor der eigentlichen Betriebsbegehung diskutiert.
Wie zuvor erläutert, sollen während der Vorevaluation aus verschiedenen Quellen (Katasterkarten, Feldkalendern, Erosionsrisiko-Karten, kommunale Drainage-Pläne) erste Informationen zusammengestellt und mit dem Landwirt besprochen werden. Da sich Gelände- und Bodenparameter häufig kleinräumiger ändern, als es in Karten- bzw. GIS-Daten dargestellt werden kann, sollen in einem zweiten Schritt in einer Feldbegehung die vorhandenen Daten verifiziert bzw. vervollständigt werden. Für die Feldbegehung steht dem Berater oft nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung. Entsprechend wird auf diejenigen Parzellen fokussiert, die das grösste Risiko für PSM-Einträge in Oberflächengewässer aufweisen.
Die Anzahl der zu bewertenden Parzellen kann beliebig angepasst werden. Der Aufnahmebogen beinhaltet dabei neben den Bewertungskriterien für die Parzellenevaluation zugleich eine standardisierte Auswahl an Vorschlägen für Verbesserungsmassnahmen.
Im Idealfall findet die Feldbegehung dann statt, wenn der Landwirt einen Spritzvorgang vorgesehen hat. Dies ermöglicht eine direkte Vor-Ort-Betrachtung der Handlungsabläufe beim Spritzvorgang. Auf diese Weise können potentielle Eintragsquellen beurteilt werden, indem man wichtige Einzelschritte beim Spritzvorgang überprüft, z.B.:
- Nur im Fahren spritzen
- Nicht über Wasserläufen, Brunnen und stehendem Wasser spritzen
- Spritze beim Wenden abstellen
- Abstellen der Spritze auf dem Vorgewende
- Die korrekte Gestänge-Höhe einhalten (i. d. R. ca. 50 cm)
- Keine Leckagen
- Korrektes Einhalten von Pufferzonen
- Umgang mit Abdrift
- Auswaschungen vermeiden, indem z. B. nicht auf wassergesättigten Boden gespritzt wird.
Oft ist aus terminlichen und zeitlichen Gründen eine Kombination der Feldbegehung mit einem Spritzvorgang nicht möglich. In solchen Fällen empfiehlt es sich, den Spritzvorgang möglichst präzise durchzusprechen.
Die Reduzierung von diffusen Einträgen ist ortsspezifisch und abhängig von unkontrollierbaren Faktoren wie den Wetterbedingungen und ihren Interaktionen mit dem Boden sowie von der Landschaftsform des Einzugsgebiets. Die Wirksamkeit einer Massnahme lässt sich somit nicht allgemein bewerten und ist stark abhängig von der jeweiligen Situation der Parzelle. Bei einer Kombination verschiedener Massnahmen sind immer auch die synergistischen Eindämmungseffekte zu bedenken (z. B. Boden-bedeckung und Bodenbearbeitungsverfahren).
Das wichtigste Ziel ist, das Wasser in dem Feld zu halten, in dem es anfällt. Diese Vorgabe bestimmt die Auswahl und die Zusammenstellung der geeigneten Massnahmen. Somit gilt es, geeignete Risikominderungsmassnahmen zu wählen, die sowohl der betriebsbezogenen Situation dienen als auch in den landwirtschaftlichen Kontext des Einzugsgebiets passen (vorrangige Produktionsorientierung, angewandte Verfahren). Hierzu gehören unterschiedliche Verfahren der Bodenbearbeitung, Anbaumethoden, Puffer- und Rückhaltesysteme, die Bewässerungssteuerung und den angepassten Einsatz von PSM betreffen. Die einzelnen Massnahmen zielen dabei auf die Verbesserung der Wasseraufnahme- und Wasserspeicherfähigkeit des jeweiligen Standortes ab. Neben der Verminderung oder Vermeidung von Abschwemmung und Erosion wirken sie auch hinsichtlich der Rückhaltung von Nährstoffausträgen und fördern eine nachhaltige Ertragsfähigkeit. Im Bereich der Bodenbearbeitung sind dies im Wesentlichen Verfahren der konservierenden Bodenbearbeitung, die je nach Intensität des Risikos eines Oberflächenabflusses den Bereich eines temporären Verzichts auf tief-wendende Bodenbearbeitung bis hin zu Direktsaatverfahren umspannen. Die Vermeidung von Strukturschäden in Form von Oberboden- und Unterbodenverdichtungen sichert die standortspezifische Wasseraufnahmefähigkeit ab. Eine wichtige Bedeutung kommt auch dem Fahrgassenmanagement und der Technik der Saatbettbereitung zu. Die Anpassung der Anbaumethoden hinsichtlich Fruchtfolge, Kulturwechsel im Geländeverlauf, Anbau entlang der Hanglinien oder regelmässiger Zwischenfruchtanbau wirkt sowohl direkt auf die unmittelbare Anfälligkeit gegenüber Abschwemmung und Erosion als auch langfristig hinsichtlich der nachhaltigen Verbesserung der Bodenstruktureigenschaften des Standortes.
Die Risikominderungsmassnahmen sind dabei zum einen immer in Bezug auf konkrete Parzellen zu sehen, zum anderen ist das lokale Einzugsgebiet (z.B. umgebenden Parzellen an einem Hang) in den Lösungsvorschlägen zu berücksichtigten. Gegebenenfalls müssen sie auch in Einzelfällen mit anderen Landwirten im Einzugsgebiet besprochen werden. Bei speziellen infrastrukturellen Massnahmen müssen zudem die Förderungsmöglichkeiten geprüft werden.
Das Rückmeldeformular zur Betriebs- und Feldbegehung wird als Instrument eingesetzt, um die Umsetzung der darin festgehaltenen Massnahmen in einem sogenannten Wirkungsmonitoring nach einem Jahr zu überprüfen. Das Wirkungsmonitoring zielt darauf ab festzustellen, inwieweit der Betriebsleiter aus Eigenmotivation und ohne Vollzugskontrollen die Umsetzung der vorgeschlagenen Lösungsansätze realisiert hat und welche Veränderungen auf dem Betrieb durch die Beratung angeregt wurden. Durch das wiederholte Gespräch zur Thematik wird der Landwirt weiterführend sensibilisiert und gegebenenfalls über die neuesten Entwicklungen informiert
Gleichermassen können bei dieser Folgeevaluation die Betriebsleiter nach einem gewissen zeitlichen Abstand befragt werden, wie sie die Beratung im Nachhinein bewerten, welche Verbesserungsvorschläge sie haben und welche Gründe oder Hindernisse es gab, bestimmte Massnahmen nicht umzusetzen. Die Anregungen und Kritikpunkte der Landwirte sollen dazu genutzt werden, die Schwierigkeiten und Grenzen aber auch die Stärken der Beratungsmethode herauszuarbeiten bzw. bewerten zu können. Diese sollen als Anregung für die Weiterentwicklung des Beratertools dienen.
Es muss allerdings betont werden, dass das Wirkungsmonitoring ressourcenintensiv ist und einen deutlichen Mehraufwand bedeutet.
Weitere Informationen |
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Abgeschlossene Projekte mit Nutzung des Tools
Laufende Projekte mit Nutzung des Tools
Ressourcenprojekt «ViSo Ticino»
Betriebsberatung zum Umgang mit Pflanzenschutzmitteln des Verbands Schweizer Gemüseproduzenten
